Besuchskontakte

Besuchskontakte sind ein Begriff, hinter dem sich ganz unterschiedliche Möglichkeiten verbergen. Wenn im Folgenden von „deinen Eltern“ die Rede ist, kann auch jeweils nur ein Elternteil gemeint sein.

Hier findest du einige Beispiele für Kontakte:

  • Treffen mit den Eltern im Beisein der Pflegefamilie
  • eigenständige Treffen mit Eltern (stunden- oder tageweise oder am Wochenende)
  • Kontakte mit Begleitung einer PiB-Fachkraft
  • Treffen oder andere Kontakte mit Geschwistern
  • Treffen im Familiencafé (das ist eher für jüngere Kinder)
  • Treffen mit anderen Verwandten
  • Kontakt über soziale Medien, WhatsApp, Briefe.

Der Rhythmus, in dem Kontakte stattfinden, ist individuell und kann sich immer wieder verändern.

Zufrieden oder nicht zufrieden mit dem Kontakt?

„Hast du Kontakt zu deinen Eltern?“ werden Pflegekinder oft gefragt.
„Klar, hab‘ ich“, sagen die einen.
„Hatte ich schon lange nicht mehr“, sagen die anderen.

Du bist zufrieden damit, wie die Kontakte zu deiner Familie laufen? Glückwunsch – dann drücken wir dir die Daumen, dass weiter alles so gut läuft!

Du bist nicht zufrieden? Dann gibt’s ein paar Tipps, wie man das ändern könnte. Weitere Infos zur rechtlichen Situation findest du auch hier bei Umgangsrecht.

„Komische Frage“, sagst du vielleicht. „Das ist doch schließlich meine Familie. Es ist schön, sich zu sehen und was miteinander zu machen. Auch wenn ich dort nicht leben kann.“

Vielleicht sagst du aber auch: „Das möchte ich auch mal wissen. Ich sehe keinen Sinn darin, meine Eltern zu treffen. Meine eigentliche Familie ist meine Pflegefamilie.“

Zwischen diesen beiden Standpunkten gibt es noch viele andere. Keine ist richtig oder falsch, sondern nur du selbst kannst rausfinden, was für dich gut und stimmig ist. Und im Laufe der Zeit kann sich das auch verändern. Es gibt aber gute Gründe, sich mit diesem Thema immer wieder zu beschäftigen.

  • (Fast) alle Menschen wollen wissen, woher sie kommen und stellen sich folgende Fragen: Welche Wurzeln habe ich? Wer ist mit mir verwandt und mit wem habe ich Ähnlichkeit? Von wem habe ich was geerbt? Aber was ist ganz individuell und nur bei mir so?
  • (Fast) alle Menschen möchten ihre Geschichte kennen und begreifen. In welche Situation wurde ich geboren? Wie war ich als Baby? Wie ging es meinen Eltern mit mir? Warum konnte ich nicht bei ihnen aufwachsen?
  • (Fast) alle Menschen beschäftigt die Frage nach der eigenen Identität. Und Pflegekinder fragen sich oft, welchen Einfluss die leiblichen Eltern auf ihr Leben haben. Wenn die Eltern zum Beispiel psychisch krank, drogenabhängig oder kriminell geworden sind, befürchten sie, dass es ihnen auch so gehen wird.

Um Antworten auf diese und viele andere Fragen zu bekommen, macht es Sinn, sich mit seiner Herkunft auseinanderzusetzen. Nicht immer geht das im persönlichen Kontakt mit den Eltern oder einem Elternteil. Wenn du aber die Möglichkeit dazu hast, spricht vieles dafür, sie zu nutzen. Das kann anstrengend sein und vielleicht auch schmerzhaft. Aber meistens lohnt es sich. Du kannst Sicherheit für deine eigene Identität gewinnen und im besten Fall Antworten bekommen auf die Fragen „Wem bin ich ähnlich und worin bin ich ganz anders?

Tipp: Vielleicht passt die Form der Kontakte nicht mehr zu deinem Alter? Oder du siehst Verhaltensweisen deiner Eltern kritischer, als du es früher getan hast. Versuche mal, genau zu beschreiben, wie ein Kontakt aussehen könnte, der dir gefällt. Wo findet er statt? Wie oft? Was macht ihr zusammen? Was garantiert nicht?

Vielleicht sprichst du erst mal mit einem Freund oder einer Freundin darüber. Und schreib´ dir ruhig ein paar Sachen auf, die dir wichtig sind. Du kannst dann entweder mit deinen Eltern direkt darüber reden und ihnen deine Wünsche mitteilen. Oder du besprichst das Thema mit deiner PiB-Fachberatung und/oder deinen Pflegeeltern. Die können dich unterstützen, die Kontakte so zu verändern, dass sie für dich wieder okay sind.

Tipp: Das ist ein typisches Thema für ein Hilfeplangespräch. Vorher kannst du es aber mit deiner PiB-Fachberatung und/oder Pflegeeltern besprechen. Deine PiB-Fachberatung kann sich zum Beispiel ans Jugendamt wenden um herauszufinden, wo die Familienmitglieder leben, zu denen du Kontakt willst. Und vielleicht auch, in welcher Situation sie sich aktuell befinden. In der Regel wird über das Jugendamt oder über PiB der erste Kontakt hergestellt. Meistens ist es gut, sich erstmal zu schreiben und vielleicht Fotos zuzuschicken, bevor man sich trifft. Du solltest dir auch überlegen, welche Erwartungen du an das Familienmitglied hast. Was du von ihm wissen willst und was du ihm von dir mitteilen möchtest.

Tipp: Es kann gute Gründe geben, den Kontakt zu deinen Eltern zu reduzieren. Zum Beispiel, wenn du mehr Zeit für eigene Freundschaften, Hobbys oder für die Schule brauchst. Oder wenn die Kontakte sehr anstrengend für dich sind und sich an den Bedingungen nichts verändern lässt.

Und einige Jugendliche möchten ihre Eltern auch gar nicht mehr sehen. Vorübergehend oder für lange Zeit. Manchmal lässt sich das mit den Eltern besprechen und sie stimmen einer Reduzierung oder einer Unterbrechung der Kontakte zu. Wenn ihr nicht zu einer Einigung kommt, kann es sein, dass das Familiengericht darüber entscheidet. In beiden Fällen ist es aber wichtig, dass du genau begründen kannst, warum du weniger oder gar keinen Kontakt mehr möchtest. Du solltest beschreiben können, warum dich die Begegnungen belasten, und am besten auch, was du schon probiert hast, um etwas zu verändern. Deine Chancen, gehört und ernstgenommen zu werden, erhöhen sich, wenn du dich ernsthaft und über einen längeren Zeitraum mit dem Thema auseinandergesetzt hast. Lass´ dich in dieser Situation auf jeden Fall von deiner PiB-Fachberatung unterstützen. Bei einer gerichtlichen Klärung steht dir zusätzlich ein Verfahrensbeistand zur Seite.

Einige Jugendliche nehmen über Facebook oder andere Medien eigenständig Kontakt zu Elternteilen oder anderen Angehörigen auf. Oder umgekehrt. Das kann am Anfang sehr spannend sein, manchmal aber auch schiefgehen. Zum Beispiel, wenn ihr plötzlich ganz unterschiedliche Vorstellungen habt, wie häufig oder wie nah der Kontakt sein soll. Und es kann belastend sein, wenn deine Pflegeeltern nichts von diesem Kontakt wissen. Besser ist, du sprichst so bald wie möglich mit wenigstens einem vertrauten Erwachsenen über dieses Thema und hörst mal, was er oder sie dazu sagt.

Jugendgruppe „Tote Katze“

Wenn du dich gerne mit anderen Jugendlichen in Pflegefamilien austauschen möchtest, komm zur PiB-Jugendgruppe „Tote Katze“. Sie ist offen für Neue, und wenn du dazukommst, erfährst du auch etwas über den ungewöhnlichen Namen der Gruppe. Die Termine für die nächsten Treffen findest du bei den Events auf der Startseite.