Steht mir Taschengeld zu – und wenn ja, wie viel eigentlich?

Es gibt kein Recht auf Taschengeld. Es ist aber sinnvoll, dass alle Kinder und Jugendlichen über einen bestimmten Betrag frei verfügen können, um den Umgang mit Geld zu lernen. Die Höhe des Betrages ist dann unter anderem vom Alter abhängig. Im Pflegegeld, das deine Pflegeeltern erhalten, ist dein Taschengeld enthalten. Wie in anderen Familien auch, sollten die Pflegeeltern gemeinsam mit den Kinder bzw. Jugendlichen die Höhe besprechen, was davon bezahlt werden muss und in welchem Rhythmus es ausgezahlt wird. Taschengeldzahlungen sollten verlässlich sein, auch wenn Jugendliche sich nicht immer an Regeln halten.

Das Bundesministerium für Familien gibt hier aktuelle Empfehlungen zur Taschengeldhöhe. 

Wenn man eine betriebliche Ausbildung beginnt, bekommt man auch ein Ausbildungsgehalt und hat so ein eigenes Einkommen. Viele Jugendliche arbeiten schon neben der Schule, um sich das Taschengeld aufzubessern, oder um für Reisen oder größere Anschaffungen oder den Führerschein etwas zu sparen. Solange die Schule nicht darunter leidet, ist das in der Regel okay. Bei Pflegekindern ist es leider etwas komplizierter.

Die Wirtschaftliche Jugendhilfe des Amtes für Soziale Dienste zahlt das Pflegegeld für deine Unterbringung. Wenn das Einkommen deiner Eltern über einer bestimmten Höhe liegt, müssen sie dazu einen Kostenbeitrag bezahlten. Auch wenn du selbst schon Geld verdienst, wird geprüft, ob du davon etwas abgeben musst. Du bist deshalb verpflichtet, dein Einkommen dem Jugendamt mitzuteilen, und es werden nach dem Gesetz meist 75 Prozent von dem Geld was du verdienst, an das Jugendamt im Rahmen der „Kostenheranziehung“ abgeben. Diese Regelung ist pädagogisch umstritten, entspricht aber den gesetzlichen Regelungen. In Bremen wird ein Selbstbehalt von 100,00€ berücksichtigt. In Bremen wird dann auch der Betrag, den du an das Jugendamt zahlen musst, von dem Pflegegeld abgezogen, das deine Pflegeeltern für dich bekommen.

Ob das aktuelle Einkommen oder das Einkommen des Vorjahres bei der Kostenheranziehung zugrunde gelegt wird, ist nach aktueller Auskunft des Jugendamtes Bremen juristisch noch nicht abschließend geklärt. Dort wird zurzeit vom aktuellen Einkommen ausgegangen. Wenn du letztes Jahr weniger oder noch nichts verdient hast, kannst du gegen die Kostenheranziehung Widerspruch einlegen und vom Jugendamt überprüfen lassen, ob du nicht eigentlich weniger bezahlen musst. Wenn diese Frage für dich wichtig wird, solltest du sie mit deiner PiB-Fachberatung besprechen und dich nach dem Stand der Dinge erkundigen. Sobald PiB über eine Veränderung bei dieser Regelung informiert wird, werden wir an dieser Stelle darüber berichten.

Außerdem kannst du einen Antrag auf Befreiung oder Reduzierung der Kostenheranziehung stellen. Diesen Antrag musst du begründen. Der Antrag wird im Einzelfall entschieden. Engagierst du dich z. B. im Sozialen, um dich auf eine entsprechende Ausbildung vorzubereiten, wäre das ein möglicher Grund für eine Reduzierung. Bevor du einen Job annimmst und wenn du einen Bescheid zur Kostenheranziehung bekommst, solltest du dieses Thema auf jeden Fall mit deinen Pflegeeltern, der PiB-Beratung und dem Case Management besprechen. Regelungen dazu gehören in die Hilfeplanung.

Hier bekommst du ausführliche Informationen zu diesem Thema.

Aber auch wenn du Geld angespart hast, wird das ab deiner Volljährigkeit mit dem Pflegegeld verrechnet. Dein „Schonvermögen“ liegt bei bis zu 5000,00 €, wird also nicht angerechnet. Du solltest daher schon bevor du 18 wirst auch darüber mit deinen Pflegeeltern und der PiB-Beratung sprechen.

Im Pflegegeld ist schon ein Zuschuss zum Führerschein enthalten, der von deinen Pflegeeltern angespart werden muss. Es wird aber davon ausgegangen, dass ein Anteil auch von dir selbst angespart wird. Hierfür eignet sich ein Job neben der Schule. Beachte jedoch die Kostenheranziehung!

Je nach Lebenslage setzt sich dein Einkommen aus unterschiedlichen Bausteinen zusammen. Es ist gut, wenn du dich rechtzeitig damit beschäftigst, da einige Anträge Zeit und auch „Lauferei“ benötigen, bis sie gestellt und auch bewilligt sind.

Viele sind schon gesammelt auf der Seite pib4u-Auszug. Hier findest du einige Links über die du Informationen beziehen kannst.

Du musst im Todesfall der Eltern oder Pflegeeltern einen Antrag auf (Halb-) Waisenrente stellen, bzw. wurde dieser bereits durch deine sorgeberechtigten Personen gestellt.

Hier findest du die entsprechenden Informationen:

Deutsche Rentenversicherung – Renten an Hinterbliebene – Halb & Vollwaisenrente

Grundsätzlich gilt: Es gibt eine gegenseitige Unterhaltspflicht zwischen Eltern und Kind (§ 1601 ff BGB). Also müssen leibliche Kinder auch für den Unterhalt der Eltern aufkommen, können diese ihren Unterhalt nicht alleine gewährleisten und wären somit auf staatliche Hilfe angewiesen. In der Praxis kommt das am häufigsten vor, wenn Eltern pflegebedürftig werden. Bevor der Staat zahlt, wird das Netto-Einkommen der leiblichen Kinder überprüft. Hier gibt es allerdings Freibeträge und  Schonvermögen, die berücksichtigt werden müssen:

Genauere Informationen dazu bekommst du hier:

Elternunterhalt: Unterhalt für Eltern zahlen?

https://www.pflege.de/pflegekasse-pflegerecht/pflegegesetz-pflegereform/elternunterhalt/

Verwirkung des Anspruchs der Eltern

Der Anspruch auf Elternunterhalt kann nur durch schwere „schuldhafte“ Verfehlungen gegen das Kind verwirkt werden. Schuldhaft heißt, dass die Verfehlungen vorsätzlicher oder grob fahrlässiger Natur waren. Wurden die Kinder etwa misshandelt, wuchsen im Heim auf oder hat ein Elternteil die eigene Unterhaltspflicht dem Kind gegenüber grob vernachlässigt, können Gerichte die Unterhaltspflicht für unwirksam erklären. Zu solchen Verfehlungen zählt jedoch nicht, wenn die Eltern ihre Kinder enterbt oder den Kontakt abgebrochen haben oder mangels Einkommen den Unterhalt nicht zahlen konnten. In solchen Fällen besteht weiterhin eine Zahlungspflicht der Kinder (vgl. Urteil BGH vom 12.2.2014, Az. XII ZB 607/12).

Ob der Tatbestand der Verwirkung zutrifft, entscheidet ein Gericht. Das unterhaltspflichtige Kind muss die schuldhaften Vergehen des Elternteils dazu darlegen und beweisen.

Im Internet gibt es viele Informationsseiten dazu. Es macht jedoch Sinn, sich in jedem Fall persönlich beraten zu lassen, da die Voraussetzungen und Berechnungen kompliziert und sehr individuell sind.

Es ist wichtig zu wissen, dass Kinder von ihren Eltern oder auch anderen Verwandten nicht nur Vermögen, sondern auch Schulden erben können. Dann kann es Sinn machen das Erbe auszuschlagen, da sonst diese Schulden von den Erben getilgt werden müssen. Wenn es kein Testament gibt, erhältst du nicht automatisch eine amtliche Information über ein Erbe. Ab dem Zeitpunkt, ab dem du Kenntnis über den Tod der Eltern erhältst, gibt es eine sechswöchige Frist, innerhalb der du aktiv werden musst, willst du das Erbe nicht antreten.

Serviceportal Bremen – Nachlass – Ausschlagung einer Erbschaft

Neben den vielen Informationsmöglichkeiten im Netz, lässt du dich im konkreten Fall am besten rechtlich/anwaltlich beraten. Menschen mit keinem oder geringem Einkommen können unentgeltliche Rechtsberatung im Amtsgericht über den Bremischen Anwaltsverein bekommen.

Rechtsberatung

Wenn du erbst muss auch die „Kostenheranziehung“ durch die Wirtschaftliche Jugendhilfe beachtet werden. Infos dazu findet du unter Careleaver- Geld bei der Frage: „Was passiert, wenn ich eigenes Geld verdiene?“

Bist du bereits volljährig geworden, dann kannst du dich weiter informieren über unsere Seite pib4u- Careleaver – Geld.

Jugendgruppe „Tote Katze“

Wenn du dich gerne mit anderen Jugendlichen in Pflegefamilien austauschen möchtest, komm zur PiB-Jugendgruppe „Tote Katze“. Sie ist offen für Neue, und wenn du dazukommst, erfährst du auch etwas über den ungewöhnlichen Namen der Gruppe. Die Termine für die nächsten Treffen findest du bei den Events auf der Startseite.