Steht mir Taschengeld zu – und wenn ja, wie viel eigentlich?

Es gibt kein Recht auf Taschengeld. Es ist aber sinnvoll, dass alle Kinder und Jugendlichen über einen bestimmten Betrag frei verfügen können, um den Umgang mit Geld zu lernen. Die Höhe des Betrages ist dann unter anderem vom Alter abhängig. Im Pflegegeld, das deine Pflegeeltern erhalten, ist dein Taschengeld enthalten. Wie in anderen Familien auch, sollten die Pflegeeltern gemeinsam mit den Kinder bzw. Jugendlichen die Höhe besprechen, was davon bezahlt werden muss und in welchem Rhythmus es ausgezahlt wird. Taschengeldzahlungen sollten verlässlich sein, auch wenn Jugendliche sich nicht immer an Regeln halten.

Das Bundesministerium für Familien gibt hier aktuelle Empfehlungen zur Taschengeldhöhe. 

Wenn man eine betriebliche Ausbildung beginnt, bekommt man auch ein Ausbildungsgehalt und hat so ein eigenes Einkommen. Viele Jugendliche arbeiten schon neben der Schule, um sich das Taschengeld aufzubessern, oder um für Reisen oder größere Anschaffungen oder den Führerschein etwas zu sparen. Solange die Schule nicht darunter leidet, ist das in der Regel okay. Bei Pflegekindern ist es leider etwas komplizierter.

Die Wirtschaftliche Jugendhilfe des Amtes für Soziale Dienste zahlt das Pflegegeld für deine Unterbringung. Wenn das Einkommen deiner Eltern über einer bestimmten Höhe liegt, müssen sie dazu einen Kostenbeitrag bezahlen. Auch wenn du selbst schon Geld verdienst, wird geprüft, ob du davon etwas abgeben musst. Du bist deshalb verpflichtet, dein Einkommen dem Jugendamt mitzuteilen und es werden nach dem Gesetz 25 Prozent von dem Geld was du verdienst, an das Jugendamt im Rahmen der „Kostenheranziehung“ abgeben. Es wird zudem ein Selbstbehalt von 150 € berücksichtigt. Einkommen aus kurzfristigen Ferienjobs und ehrenamtlicher Tätigkeit sind gänzlich freigestellt. Für die Berechnung wird bei der Kostenheranziehung dein Einkommen aus dem aktuellen Monat zugrunde gelegt. Diese Regelung entspricht dem aktuellen Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes aus 2021. In Bremen wird dann der Betrag, den du an das Jugendamt zahlen musst, von dem Pflegegeld abgezogen, das deine Pflegeeltern für dich bekommen.

Außerdem kannst du einen Antrag auf Befreiung oder Reduzierung der Kostenheranziehung stellen. Diesen Antrag musst du begründen. Der Antrag wird im Einzelfall entschieden. Engagierst du dich z. B. im Sozialen, um dich auf eine entsprechende Ausbildung vorzubereiten, könnte das ein Grund sein für eine Reduzierung. Bevor du einen Job annimmst und wenn du einen Bescheid zur Kostenheranziehung bekommst, solltest du dieses Thema auf jeden Fall mit deinen Pflegeeltern, der PiB-Beratung und dem Case Management besprechen. Regelungen dazu gehören in die Hilfeplanung.

Hier bekommst du ausführliche Informationen zu diesem Thema.

Im Pflegegeld ist schon ein Zuschuss zum Führerschein enthalten, der von deinen Pflegeeltern angespart werden muss. Es wird aber davon ausgegangen, dass ein Anteil auch von dir selbst angespart wird. Hierfür eignet sich ein Job neben der Schule. Beachte jedoch die Kostenheranziehung!

Je nach Lebenslage setzt sich dein Einkommen aus unterschiedlichen Bausteinen zusammen. Es ist gut, wenn du dich rechtzeitig damit beschäftigst, da einige Anträge Zeit und auch „Lauferei“ benötigen, bis sie gestellt und auch bewilligt sind.

Viele sind schon gesammelt auf der Seite pib4u-Auszug. Hier findest du einige Links über die du Informationen beziehen kannst.

Du musst im Todesfall der Eltern oder Pflegeeltern einen Antrag auf (Halb-) Waisenrente stellen, bzw. wurde dieser bereits durch deine sorgeberechtigten Personen gestellt.

Hier findest du die entsprechenden Informationen:

Deutsche Rentenversicherung – Renten an Hinterbliebene – Halb & Vollwaisenrente

Grundsätzlich gilt: Es gibt eine gegenseitige Unterhaltspflicht zwischen Eltern und Kind (§ 1601 ff BGB). Also müssen leibliche Kinder auch für den Unterhalt der Eltern aufkommen, können diese ihren Unterhalt nicht alleine gewährleisten und wären somit auf staatliche Hilfe angewiesen. In der Praxis kommt das am häufigsten vor, wenn Eltern pflegebedürftig werden. Seit dem 1. Januar 2020 sind Kinder ihren Eltern allerdings erst ab einem Jahresbruttoeinkommen von 100.000 Euro zum Unterhalt verpflichtet. Das Einkommen eines Partners oder von möglichen Geschwistern wird hierbei nicht mitgerechnet.

Genauere Informationen dazu bekommst du hier:

Elternunterhalt: Unterhalt für Eltern zahlen?

Verwirkung des Anspruchs der Eltern

Der Anspruch auf Elternunterhalt kann nur durch schwere „schuldhafte“ Verfehlungen gegen das Kind verwirkt werden. Schuldhaft heißt, dass die Verfehlungen vorsätzlicher oder grob fahrlässiger Natur waren. Wurden die Kinder etwa misshandelt, wuchsen im Heim auf oder hat ein Elternteil die eigene Unterhaltspflicht dem Kind gegenüber grob vernachlässigt, können Gerichte die Unterhaltspflicht für unwirksam erklären. Zu solchen Verfehlungen zählt jedoch nicht, wenn die Eltern ihre Kinder enterbt oder den Kontakt abgebrochen haben oder mangels Einkommen den Unterhalt nicht zahlen konnten. In solchen Fällen besteht weiterhin eine Zahlungspflicht der Kinder (vgl. Urteil BGH vom 12.2.2014, Az. XII ZB 607/12).

Ob der Tatbestand der Verwirkung zutrifft, entscheidet ein Gericht. Das unterhaltspflichtige Kind muss die schuldhaften Vergehen des Elternteils dazu darlegen und beweisen.

Im Internet gibt es viele Informationsseiten dazu. Es macht jedoch Sinn, sich in jedem Fall persönlich beraten zu lassen, da die Voraussetzungen und Berechnungen kompliziert und sehr individuell sind.

Wenn du tatsächlich erbst, musst du unter Umständen unterscheiden zwischen Vermögen und regelmäßigen Einkünften: So kann es sein, dass der festgelegte Sparbetrag nicht angerührt werden wird, aber wenn Du daraus regelmäßig eine Zinsauszahlung bekommst, die „Kostenheranziehung“ durch die Wirtschaftliche Jugendhilfe greift.

Wichtig: Wenn es um ein größeres Vermögen geht, solltest Du dich auf jeden Fall von Fachleuten beraten lassen.

Infos dazu findet du auch unter Careleaver- Geld bei der Frage: „Was passiert, wenn ich eigenes Geld verdiene?“ 

Bist du bereits volljährig geworden, dann kannst du dich weiter informieren über unsere Seite pib4u- Careleaver – Geld.

JiP – Jugendgruppe

Wenn du dich gerne mit anderen Jugendlichen in Pflegefamilien austauschen möchtest, komm zur PiB-Jugendgruppe „JiP“- Jugendliche in Pflegefamilien. Wir bringen euch und eure Themen zusammen! Kommen können alle jugendlichen Pflegekinder ab 14 Jahre. Die Gruppe wird geleitet durch zwei PiB-Fachberaterinnen, die sich, wie auch die Jugendlichen, über Gruppenzuwachs freuen.
Die Termine für die nächsten Treffen findest du bei den Events auf der Startseite.